STUDIO EM04

ANNETTE ERLENWEIN

THE STABLE AND THE EPHEMERAL

Memorial Großmarkthalle Frankfurt | EZB

Competition, 2009

 

 

 

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A fixed location anchored in the public space with a continuously changing, ephemeral garden.

For the memorial at the Frankfurt Grossmarkthalle, a former wholesale market place that is now part of the new EZB headquarters, the former railway area from which the city's Jewish residents were deported should be made visible and spatially experienced.

The reconstruction is based on an archival photograph of the train station in 1930 (competition documentation).

At the site of the reconstructed railway area, a stand of fruit trees will be planted to create linear pathways traveling east and west. Wooden gangplanks will traverse the former railway matrix.

The garden deepens by 3 meters towards the EZB grounds, in reference to the former storage rooms in the market basement where the Jews were assembled prior to deportation.

The area is protected by a corten steel enclosure, which also prevents access to the private EZB areas. On the garden side of the fencing, the names of the deportees are engraved into polished stainless steel. Standing at the eastern end and deepest part of the garden, one can see oneself in the reflection of the nearby railroad bridge.

The situation is a reminder of the curious onlookers on the bridge who at the time witnessed the deportations without taking action.

At the Frankfurt Grossmarkthalle, a place of remembrance should be created that calls for daily ongoing confrontation with the historical events. In contrast to the surrounding green area that allows for movement in all directions, the memorial garden, which is situated below ground level, presents a decelerating impasse.

At the same time this should be a place of life, with process-oriented and ephemeral qualities. It offers a number of aesthetic qualities that vary according to the season. Requiring garden care and upkeep, it thus reverses the historical disregard and neglect that occurred near the market deportation site, the voyeurism at the railroad bridge.

 

 

Ein fest im öffentlichen Raum verankerter Ort mit einem sich ständig verändernden, [ephemeren] Garten.

Für die Erinnerungsstätte an der ehemaligen Frankfurter Großmarkthalle, die jetzt Teil des neuen EZB-Hauptsitzes ist, soll das ehemalige Gleisfeld, das geographischer Ausgangspunkt der Deportation der jüdischer Bewohner Frankfurts in die Vernichtungslager war, sichtbar und räumlich erlebbar gemacht werden.

Ausgangspunkt der Rekonstruktion ist ein historisches Photo der Gleisanlage von 1930.

Auf diesem rekonstruierten Gleisfeldausschnitt soll ein Obsthain entstehen. Eine naturbelassene Wiese mit Obstbäumen, die so angeordnet sind, dass sie in Ost –Westrichtung lineare Räume bilden. Auf der Matrix der historischen Gleise durchzieht ein Wegesystem aus Holzstegen das Areal.

Im Bereich des Geländes der Europäischen Zentralbank fällt der Garten um 3,00m ab, um einen Bezug zu dem sich im Untergeschoss der Großmarkthalle befindenden ehemalige Sammellager anzudeuten.

Der Geländeeinschnitt ist von einer Brüstung aus Cortenstahl gesichert, auch um den Zugang zum privaten EZB-Gelände zu verhindern. Gartenseitig ist diese Stahleinfassung mit poliertem spiegelndem Edelstahl eingefasst, auf dem die Namen der Deportierten aufgelistet sind. Steht man vor dem östlichen, tiefsten Ende des Gartens, sieht man sein Konterfei in dem widergespiegelten Abbild der Eisenbahnbrücke.

Die Situation soll an die Schaulustigen erinnern, die sich während der Deportation dort einfanden und tatenlos zusahen.

An der Frankfurter Großmarkthalle soll ein Erinnerungsort entstehen, der die immerwährende Konfrontation und Auseinadersetzung mit den historischen Ereignissen im Alltag herausfordert. Im Gegensatz zum Gelände des Grüngürtels, das eine fliesende Durchwegung in alle Richtungen möglich macht, ist der Garten der Erinnerungsstätte ein Sackgassenraum, der auf einem Niveau unterhalb der Stadtebene liegt und einen entschleunigenden Charakter haben soll.

Gleichzeitig soll es ein Ort sein, der, weil er lebendig ist, prozesshafte und flüchtige [ephemere] Eigenschaften hat. Er fordert gärtnerische Pflege und Fürsorge und kehrt somit das historische "Wegschauen" und das "Sich nicht kümmern" um, das damals in unmittelbarer Nähe zum Sammellager in der Großmarkthalle und dem in der Auslobung erwähnten Voyeurismus der Schaulustigen auf der Bahnbrücke stattfand. Überdies bietet er je nach Jahreszeit unterschiedliche ästhetische Aspekte.